24.10.2014

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich Willkommen auf meinem Blog! Mein Name ist Tjada Schult, ich bin 18 Jahre alt, komme aus Berlin und habe mich nach dem Abi im Frühjahr diesen Jahres dazu entschlossen, mit der Entsendeorganisation ICJA einen weltwärts-geförderten Freiwilligendienst in Togo zu leisten, über den ich ein wenig berichten werde.

Ich ahne schon, welche Frage euch als erstes auf der Zunge liegt: Wie kommt man denn auf Togo?? Tatsächlich wurde ich das schon häufiger gefragt, nicht etwa mit missbilligendem Unterton sondern aus reinem Interesse, wie man sich für ein so kleines doch eher unbekanntes Land entscheidet.

Nun, eine Antwort darauf zu finden ist schwer. Ich hatte mich von Anfang an für afrikanische Länder interessiert und diejenigen bevorzugt, in denen Französisch die Amtssprache ist. Über die weltwärts-Seite (-> Link) bin ich dann auf Togo gekommen und – man sehe es meinen Geografiekenntnissen nach – musste prompt googeln, wo das denn überhaupt liegt. :D

Ich bin auf jeden Fall froh, dass es schließlich Togo geworden ist, denn ich bin sehr glücklich hier.

Dennoch denke ich, dass man in jedem Land dieser Welt eine schöne Zeit im Freiwilligendienst (FWD) verbringen kann, denn es gibt unzählige einzigartige Kulturen, Orte und Menschen, die es alle gleichermaßen kennenzulernen lohnt!

Montag, 24. November 2014

3 Monatsbericht

17.11.2014
 Sehr geehrte Damen und Herren,

die ersten drei Monate meines Freiwilligendienstes im westafrikanischen Togo sind ins Land gegangen und ich möchte im Folgenden meine Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen unter Einbeziehung der gegebenen Leitfragen darlegen.

Bevor ich ins Ausland ging, habe ich versucht, mir keine konkreten Vorstellungen über mein Gastland zu machen, denn ich wollte mich so offenen wie möglich darauf einlassen können. Dennoch musste ich feststellen, dass sich unterbewusst einige Erwartungen – vor allem zum organisatorischen Ablauf des Jahres – eingestellt hatten. So hätte ich beispielsweise nicht damit gerechnet, den gesamten ersten Monat zusammen mit nationalen und internationalen Freiwilligen in einem Workcamp zu verbringen. Ursache dafür war, dass viele unserer Projekte erst zeitgleich mit dem Schulanfang in Togo am 29.09. begonnen haben.
Die anderen Volontäre und ich arbeiteten also in einer Ferienschule in dem Dorf Womé, nahe der ghanaischen Grenze in den Bergen westlich von Kpalimé. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, bis heute bereits zwei verschiedene und auf unterschiedliche Weise bereichernde Arbeitsstellen kennenzulernen, und an zwei verschiedenen Orten längere Zeit wohnen zu dürfen.

Dabei half mir die Sensibilisierung & Vorbereitung durch den ICJA e.V. insoweit, dass ich mir stets darüber im klaren war, dass ich geprägt von meinen Erfahrungen eine andere (subjektive) Wahrnehmung habe, und, dass ich mich häufiger getraut habe nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe.
Ein gutes Beispiel dafür findet sich bei der Arbeit in der Küche, bei der ich sowohl im Workcamp geholfen habe als auch jetzt in der Gastfamilie gerne helfe. Dort hörte ich des Öfteren Sätze wie „Il faut me donner ca.“ / „Il faut faire ca.“ („Du musst mir das geben.“ / „Du musst das tun.“) , die so ganz ohne Bitte und Danke in meinen Ohren zunächst reichlich schroff klangen. Als ich mich jedoch näher danach erkundigte, erschien ein Lächeln auf dem Gesicht der Köchin – die sich selbst Comfort nennt – und sie erklärte bereitwillig, dass man Bitte und Danke schlicht und einfach aus Zeitgründen in der Küche nicht so häufig verwendet, wenn es eben schnell gehen muss. :)

Seit knapp eineinhalb Monaten arbeite ich nun bei AGERTO und ich lerne beinahe jeden Tag etwas Neues.
Es handelt sich um ein soziales Zentrum, dass Waisen und jungen Menschen aus ärmeren Verhältnissen die Möglichkeit bietet, kostenlos eine dreijährige Ausbildung in einem Beruf ihrer Wahl, darunter Skulpteur, Batiker, Schreiner, Tischler, Schweißer und Schneider, zu machen, die die Lehrlinge nach einer staatlichen Prüfung mit einem Diplom abschließen.
Damit wird Jugendlichen eine Zukunftsperspektive gegeben und Kriminalität sowie Prostitution auf den Straßen von Kpalimé vorgebeugt.
Neben den Werkstätten findet man für die medizinische Versorgung eine auf eigene Kosten errichtete Krankenstation auf dem weitläufigen Gelände.
Ein Großteil der Lehrlinge hat hier ein neues Zuhause gefunden. Die vornehmlich jungen Frauen haben Schlimmes durchgemacht, wurden misshandelt oder zur Prostitution gezwungen und wohnen nun auf dem Projektgelände, wo sie unentgeltlich voll verpflegt werden.
Außerdem unterstützt AGERTO Aktionen für Naturschutz, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit –beispielsweise Aufklärungscampagnen für Mädchen – sowie zur Bekämpfung der Armut.

Mein Aufgabenfeld ist sehr weit gefächert: Zwar bin ich hauptsächlich für die Kooperation mit dem deutschen Spendenverein Togo-Hilfe e.V. verantwortlich, aber ich dokumentiere u.a. die laufenden Programme und Aktionen, schreibe Berichte, kümmere mich um den Internetauftritt (facebook.com/agerto ; www.agerto.jimdo.com) und suche nach weiteren Spendern. Aber auch die Arbeit im Garten von AGERTO gehört dazu.

Des Weiteren bietet einem AGERTO die Möglichkeit, selbst Ideen zu entwickeln und umzusetzen. So habe ich mir zum Beispiel das Ziel gesetzt, allen Auszubildenden die Möglichkeit einer (kostenlosen) anknüpfenden Schulbildung zu ermöglichen, da viele von ihnen frühzeitig die Schule verlassen mussten. Mit der Hilfe eines ausgebildeten Lehrers konnte ich so Französischkurse ins Leben rufen, die dienstags und donnerstags von 16 bis 17 Uhr stattfinden.
Dabei fiel es mir zunächst schwer, mich allein vor eine große Gruppe von Schülern zu stellen. Aber neue Herausforderungen sind dafür da, gemeistert zu werden! Mittlerweile bin ich diesbezüglich schon sicherer geworden.

Schwierigkeiten bereitet mir zudem die Landessprache Ewe, die ich trotz zweiwöchigem Sprachkurs kaum bruchstückhaft beherrsche. Das liegt u.a. daran, dass man sich auch mithilfe der Amtssprache Französisch verständigen kann und ich erst einmal versuche, dort neue Vokabeln und Ausdrücke zu lernen.
Ich hoffe dennoch, dass ich noch Zeit finde, mich mit Ewe genauer auseinanderzusetzen.

Insgesamt fühle ich mich im Projekt wie auch in der Gastfamilie gut aufgenommen. Vor allem Messan, der Präsident von AGERTO, hat mir zu Beginn sehr geholfen, mich auf dem Gelände und bei der Arbeit zurechtzufinden.
Besonders durch den Französischkurs konnte ich außerdem Kontakte zu meinen Kollegen_innen und den Lehrlingen knüpfen.

Da Togo nicht sehr oft in den deutschen Medien erwähnt wird (es gibt beispielsweise keinen deutschsprachigen Reiseführer), sondern höchstens verallgemeinert von Afrika gesprochen wird, hatte ich die Gelegenheit, mir ohne große Vorstellungen mit eigenen Augen ein Bild von diesem Land mit seiner einzigartigen Kultur und seinen vielseitigen Einwohnern zu machen und ich freue mich sehr auf die kommenden neun Monate!

Mit freundlichen Grüßen,

Tjada Schult