24.10.2014

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich Willkommen auf meinem Blog! Mein Name ist Tjada Schult, ich bin 18 Jahre alt, komme aus Berlin und habe mich nach dem Abi im Frühjahr diesen Jahres dazu entschlossen, mit der Entsendeorganisation ICJA einen weltwärts-geförderten Freiwilligendienst in Togo zu leisten, über den ich ein wenig berichten werde.

Ich ahne schon, welche Frage euch als erstes auf der Zunge liegt: Wie kommt man denn auf Togo?? Tatsächlich wurde ich das schon häufiger gefragt, nicht etwa mit missbilligendem Unterton sondern aus reinem Interesse, wie man sich für ein so kleines doch eher unbekanntes Land entscheidet.

Nun, eine Antwort darauf zu finden ist schwer. Ich hatte mich von Anfang an für afrikanische Länder interessiert und diejenigen bevorzugt, in denen Französisch die Amtssprache ist. Über die weltwärts-Seite (-> Link) bin ich dann auf Togo gekommen und – man sehe es meinen Geografiekenntnissen nach – musste prompt googeln, wo das denn überhaupt liegt. :D

Ich bin auf jeden Fall froh, dass es schließlich Togo geworden ist, denn ich bin sehr glücklich hier.

Dennoch denke ich, dass man in jedem Land dieser Welt eine schöne Zeit im Freiwilligendienst (FWD) verbringen kann, denn es gibt unzählige einzigartige Kulturen, Orte und Menschen, die es alle gleichermaßen kennenzulernen lohnt!

Dienstag, 2. Dezember 2014

Fotogalerie

Auch für uns Volontäre heißt es seit Ausgust: Ein Jahr lang Handwäsche!
Ihr seht meine Mitfreiwilligen Klara und Pauline bei der Arbeit.

Die Bergwäldern rund um Kpalimé warten mit einer beeindruckenden Flora und Fauna auf,
besonders fasziniert hat mich bei einer Wanderung zum Mont Kloto dieser schöne Falter. :)

Die Cascades d´Agomé-Tomégbé sind meiner Meinung nach die Schönsten in Kpalimé.

In Lomé am Strand eine Kokosnuss trinken - so verbringt man die Wochenenden in Togo! :D

Meine Gastschwester Lauren "Lolo" ist drei Jahre alt und schläft mittags
gern auf dem Rücken ihrer Mutter.

Meine Gastmama und ich ;)

Bei meiner Arbeit für AGERTO komme ich viel herum:
Hier habe ich das von Brot Für Die Welt finanzierte Kindergartenprojekt
WANEP besucht.

Montag, 24. November 2014

3 Monatsbericht

17.11.2014
 Sehr geehrte Damen und Herren,

die ersten drei Monate meines Freiwilligendienstes im westafrikanischen Togo sind ins Land gegangen und ich möchte im Folgenden meine Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen unter Einbeziehung der gegebenen Leitfragen darlegen.

Bevor ich ins Ausland ging, habe ich versucht, mir keine konkreten Vorstellungen über mein Gastland zu machen, denn ich wollte mich so offenen wie möglich darauf einlassen können. Dennoch musste ich feststellen, dass sich unterbewusst einige Erwartungen – vor allem zum organisatorischen Ablauf des Jahres – eingestellt hatten. So hätte ich beispielsweise nicht damit gerechnet, den gesamten ersten Monat zusammen mit nationalen und internationalen Freiwilligen in einem Workcamp zu verbringen. Ursache dafür war, dass viele unserer Projekte erst zeitgleich mit dem Schulanfang in Togo am 29.09. begonnen haben.
Die anderen Volontäre und ich arbeiteten also in einer Ferienschule in dem Dorf Womé, nahe der ghanaischen Grenze in den Bergen westlich von Kpalimé. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, bis heute bereits zwei verschiedene und auf unterschiedliche Weise bereichernde Arbeitsstellen kennenzulernen, und an zwei verschiedenen Orten längere Zeit wohnen zu dürfen.

Dabei half mir die Sensibilisierung & Vorbereitung durch den ICJA e.V. insoweit, dass ich mir stets darüber im klaren war, dass ich geprägt von meinen Erfahrungen eine andere (subjektive) Wahrnehmung habe, und, dass ich mich häufiger getraut habe nachzufragen, wenn ich etwas nicht verstanden habe.
Ein gutes Beispiel dafür findet sich bei der Arbeit in der Küche, bei der ich sowohl im Workcamp geholfen habe als auch jetzt in der Gastfamilie gerne helfe. Dort hörte ich des Öfteren Sätze wie „Il faut me donner ca.“ / „Il faut faire ca.“ („Du musst mir das geben.“ / „Du musst das tun.“) , die so ganz ohne Bitte und Danke in meinen Ohren zunächst reichlich schroff klangen. Als ich mich jedoch näher danach erkundigte, erschien ein Lächeln auf dem Gesicht der Köchin – die sich selbst Comfort nennt – und sie erklärte bereitwillig, dass man Bitte und Danke schlicht und einfach aus Zeitgründen in der Küche nicht so häufig verwendet, wenn es eben schnell gehen muss. :)

Seit knapp eineinhalb Monaten arbeite ich nun bei AGERTO und ich lerne beinahe jeden Tag etwas Neues.
Es handelt sich um ein soziales Zentrum, dass Waisen und jungen Menschen aus ärmeren Verhältnissen die Möglichkeit bietet, kostenlos eine dreijährige Ausbildung in einem Beruf ihrer Wahl, darunter Skulpteur, Batiker, Schreiner, Tischler, Schweißer und Schneider, zu machen, die die Lehrlinge nach einer staatlichen Prüfung mit einem Diplom abschließen.
Damit wird Jugendlichen eine Zukunftsperspektive gegeben und Kriminalität sowie Prostitution auf den Straßen von Kpalimé vorgebeugt.
Neben den Werkstätten findet man für die medizinische Versorgung eine auf eigene Kosten errichtete Krankenstation auf dem weitläufigen Gelände.
Ein Großteil der Lehrlinge hat hier ein neues Zuhause gefunden. Die vornehmlich jungen Frauen haben Schlimmes durchgemacht, wurden misshandelt oder zur Prostitution gezwungen und wohnen nun auf dem Projektgelände, wo sie unentgeltlich voll verpflegt werden.
Außerdem unterstützt AGERTO Aktionen für Naturschutz, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit –beispielsweise Aufklärungscampagnen für Mädchen – sowie zur Bekämpfung der Armut.

Mein Aufgabenfeld ist sehr weit gefächert: Zwar bin ich hauptsächlich für die Kooperation mit dem deutschen Spendenverein Togo-Hilfe e.V. verantwortlich, aber ich dokumentiere u.a. die laufenden Programme und Aktionen, schreibe Berichte, kümmere mich um den Internetauftritt (facebook.com/agerto ; www.agerto.jimdo.com) und suche nach weiteren Spendern. Aber auch die Arbeit im Garten von AGERTO gehört dazu.

Des Weiteren bietet einem AGERTO die Möglichkeit, selbst Ideen zu entwickeln und umzusetzen. So habe ich mir zum Beispiel das Ziel gesetzt, allen Auszubildenden die Möglichkeit einer (kostenlosen) anknüpfenden Schulbildung zu ermöglichen, da viele von ihnen frühzeitig die Schule verlassen mussten. Mit der Hilfe eines ausgebildeten Lehrers konnte ich so Französischkurse ins Leben rufen, die dienstags und donnerstags von 16 bis 17 Uhr stattfinden.
Dabei fiel es mir zunächst schwer, mich allein vor eine große Gruppe von Schülern zu stellen. Aber neue Herausforderungen sind dafür da, gemeistert zu werden! Mittlerweile bin ich diesbezüglich schon sicherer geworden.

Schwierigkeiten bereitet mir zudem die Landessprache Ewe, die ich trotz zweiwöchigem Sprachkurs kaum bruchstückhaft beherrsche. Das liegt u.a. daran, dass man sich auch mithilfe der Amtssprache Französisch verständigen kann und ich erst einmal versuche, dort neue Vokabeln und Ausdrücke zu lernen.
Ich hoffe dennoch, dass ich noch Zeit finde, mich mit Ewe genauer auseinanderzusetzen.

Insgesamt fühle ich mich im Projekt wie auch in der Gastfamilie gut aufgenommen. Vor allem Messan, der Präsident von AGERTO, hat mir zu Beginn sehr geholfen, mich auf dem Gelände und bei der Arbeit zurechtzufinden.
Besonders durch den Französischkurs konnte ich außerdem Kontakte zu meinen Kollegen_innen und den Lehrlingen knüpfen.

Da Togo nicht sehr oft in den deutschen Medien erwähnt wird (es gibt beispielsweise keinen deutschsprachigen Reiseführer), sondern höchstens verallgemeinert von Afrika gesprochen wird, hatte ich die Gelegenheit, mir ohne große Vorstellungen mit eigenen Augen ein Bild von diesem Land mit seiner einzigartigen Kultur und seinen vielseitigen Einwohnern zu machen und ich freue mich sehr auf die kommenden neun Monate!

Mit freundlichen Grüßen,

Tjada Schult

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Angekommen

29.10.2014

Ich weiß, es mag vielleicht etwas spät erscheinen, im Oktober den ersten Blogeintrag zu posten, wenn man im August ausgereist ist, aber eigentlich kann ich jetzt erst sagen, dass ich wirklich in Togo angekommen bin.
Nach einem sehr, sehr anstrengendem Flug mit sechs Stunden Aufenthalt in Addis Abeba (der beste Beweis dafür, dass der Weg nicht immer das Ziel ist) kamen die anderen ICJA-Volontäre – Pauline, Klara, Nele, Rebecca, Shannon, Simon, Magnus, Veronika, Ronja – und ich in Lomé, der Hauptstadt Togos an. Vertreter der Partnerorganisation Campagne des Hommes (CdH) nahmen uns dort in Empfang und fuhren uns nach Kpalimé, die drittgrößte Stadt Togos. Dort befindet sich auch der Sitz von CdH sowie von sehr vielen anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs).

Die Ferienschule in den Bergen 

 

Nach einer Woche Ankunftsseminar, in dem wir u.a. die Geografie und Geschichte des Landes kennenlernten, ging es direkt weiter nach Womé, ein kleines Dorf in den Bergen, die Kpalimé umgeben.
Dort wurden wir herzlich willkommen geheißen und bekamen ein eigenes kleines Haus zugewiesen, das wir uns mit einer französischen (Juliette) und einer finnischen Volontärin (Katri), sowie vier nationalen Volontären (Atout, Beaugard, Eric und Judy) teilten.
Insgesamt haben wir einen ganzen Monat in Womé verbracht, um dort eine Ferienschule zu leiten, da viele unsere ursprünglichen Projekte in Kpalimé erst mit dem Schulstart am 29.09. begonnen haben. Obwohl die Arbeit also nur als Überbrückung gedacht war, hat mir das Unterrichten bzw. das Assistieren dabei großen Spaß gemacht und ich habe selbst in der kurzen Zeit viel dazugelernt.
Rebecca und ich waren zusammen mit Atout und später Eric für die Mathematikklassen in der Mittelstufe (Collège) verantwortlich. Und endlich ließen sich meine beiden Leistungskurs aus der Oberstufe kombinieren: Oder wann gibt man schon Mathe-Unterricht auf Französisch? :D Tatsächlich ist das schwieriger als es sich vielleicht anhören mag, schließlich muss man die einfachsten Begriffe noch einmal lernen (Zähler = numérateur ; Nenner = dénominateur ; usw.)
Wie bereits erwähnt, habe ich in diesem ersten Monat bereits sehr viel gelernt, angefangen beim abendlichen Skatspielen (leichter als es aussieht), über neue Flechtfrisuren (schwieriger als es aussieht) und die ersten Ewe-Wörter, bis hin zu dem Selbstbewusstsein, vor einer lärmenden Kinderschar oder gar bei einer Gemeindeversammlung zu sprechen. Denn uns wurde mehr als einmal die Ehre zuteil, bei einem Fest oder eine öffentlich Diskussionsrunde spontan das Wort ergreifen zu dürfen, und wir wurden sogar vom Dorfchef in sein Haus eingeladen.


Zurück in Kpalimé 

 

Trotz einiger Widrigkeiten – nicht selten haben wir über das fehlende Internet, den schlechten Handyempfang und das Wasserschleppen von der 20min-entfernten Pumpe gestöhnt – hatten wir auch sehr interessanten, aufregende und schöne Momente in Womé, dem Dorf in den Bergen.
Einen Monat später – zurück in Kpalimé – haben wir dann endlich unsere Gastfamilien kennengelernt, sind „eingezogen“ und haben mit einem zweiwöchigem Sprachkurs in Ewe, der Landessprache im südlichen Teil Togos, begonnen.
Und schließlich durften wir auch mit der Arbeit in unseren Projekten beginnen. Doch davon werde ich ein anderes Mal berichten... ;)

LG, eure Tjada
PS: Habt ihr bestimmte Themen, die euch interessieren (z.B. Gastfamilie/Essen/“Kulturschocks“/...)? Dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar! (: